2010-05-23

Mobiles Multitasking, Teil 3

Herzlich willkommen zum dritten Beitrag zum Thema Mobiles Multitasking. Im ersten Teil hatte ich Gründe genannt, warum die quasi-parallele Ausführung mehrerer Programme auch (oder gerade?) auf kleinen mobilen Geräten sinnvoll ist. Der zweite Beitrag stellte Ihnen Multitasking aus der Sicht des Anwenders vor. …also: was muss ich tun, um zwischen Anwendungen zu wechseln? In dieser fürs Erste abschließenden Folge betrachte ich das Thema mehr aus der Sicht des Entwicklers.

Wer sich das Video, in dem Steve Jobs Anfang April einen Ausblick auf das kommende iPhone OS 4 gegeben hat, angesehen hat, kann sich trotz der noch nicht erfolgten Auslieferung an Endkunden ein recht genaues Bild davon machen, wie Multitasking auf dem iPhone sehr wahrscheinlich funktionieren wird. Das System stellt hierzu die folgenden 7 Dienste zur Verfügng:

  • Background audio
  • Voice over IP
  • Background location
  • Push notifications
  • Local notifications
  • Task completion
  • Fast app switching

Eine Anwendung muss sich also explizit für eine bestimmte Funktion entscheiden, die dann im Hintergrund ausgeführt wird. Ob dies im Vergleich zu anderen Systemen eine wirkliche Einschränkung ist, muss sich zeigen. Die Erklärungen im Video zur Task completion lassen jedenfalls den Schluss zu, dass die innerhalb dieses Dienstes ausgeführten Aktionen relativ frei durch den Entwickler gestaltet werden können (beispielsweise der Upload von Dateien). Fast app switching scheint dem Programmierer die Möglichkeit zu geben, schnell den Zustand seiner App speichern und ebenso flott wiederherstellen zu können. Dieses Konzept kommt dem Android-Entwickler sicher vertraut vor, ist hier aber schon fester Bestandteil des Lebenszyklus einer Anwendung (Stichwort: Callbacks der Klasse Activity).

Erst die Verfügbarkeit von iPhone OS 4 für den Endkunden sowie die freie Erreichbarkeit von schriftlichen Informationen wird einen “echten” Vergleich der eingesetzten Konzepte und Technologien gestatten. Spannend ist in diesem Zusammenhang die Frage, wie das für Ende des Jahres erwartete fertige Windows Phone 7 mit dem Thema Multitasking umgeht.

2010-05-20

Froyo – ein Android wird erwachsen

Mit beeindruckenden neuen Funktionen schickt Google seine offene mobile Plattform in die nächste Runde. Seit heute kann man das Android SDK 2.2 herunter laden und sich bereits einen Eindruck von dem verschaffen, was hoffentlich sehr bald auf vielen Android-Telefonen zu sehen und spüren ist. Eine erste kleine Auswahl der Neuigkeiten habe ich in einem Eintrag auf AndroidPIT vorgestellt. Hier werde ich “nur” ein paar Screenshots posten, um uns die Wartezeit auf das Update etwas zu versüßen…

Home screen mit neuem Widget
Home screen mit neuem Widget 

Um neuen Anwendern den Einstieg zu erleichtern, gibt es ein kleines Widget (Home screen tips), das die Benutzung bzw. Einrichtung des Home Screens erklärt. Schön finde ich auch die drei Schaltflächen im unteren Bereich, die die Telefonfunktion, die Anwendungsauswahl sowie den Webbrowser aufrufen.

Die Anwendungsauswahl
Die Anwendungsauswahl

Sehen Sie sich doch bitte einmal die mit dem Emulator mitgelieferten Anwendungen an – fällt Ihnen da etwas auf?

Car Mode
Car Mode

…genau. Car Home. Eine sehr einfach gehaltene Oberfläche speziell für den Einsatz in Autos. Gibt es zwar zumindest auf dem Nexus One seit Android 2.1 (sieht dort aber anders aus!), im Emulator war die Anwendung bisher aber nicht zu sehen. …bitte korrigieren Sie mich, falls ich da falsch liege…

Was es für den Programmierer an leckeren Neuigkeiten gibt, werde ich so nach und nach erkunden, und vom einen oder anderen berichten.

2010-05-17

Android Market aufgehübscht

Google hat die Web-Version des Android Market leicht überarbeitet. Auf drei Registerkarten kann man sich Featured, Top Free und Top Paid Apps ansehen. Eine Suche im gesamten App-Bestand ist bislang weiterhin nur über ein Android-Telefon, oder natürlich über alternative Market-Suchmaschinen möglich.

Web-Version des Android Market
Web-Version des Android Market

Persönlich freut es mich natürlich, mit TKBirthdayReminder in der Kategorie Top Free eine meiner beiden Apps zu sehen.

2010-05-14

Mobiles Multitasking, Teil 2

In diesem zweiten Teil meiner Betrachtungen zum Thema Multitasking auf mobilen Geräten möchte ich die erste der beiden Fragen, die ich in diesem Zusammenhang formuliert hatte, aufgreifen und (hoffentlich) beantworten: Wie stellt sich Multitasking gegenüber dem Benutzer dar?
Steve Jobs hatte in seiner (mittlerweile in elektronischer Form vorliegenden) sneak preview sinngemäß gesagt, dass Apple zwar nicht die erste Firma gewesen ist, die auf seinen Smartphones Multitasking anbietet, aber dass man es dafür am besten gelöst hat. Folgt man seiner Demo, so sieht man, dass sich durch zweimaliges Drücken des Home-Buttons eine Übersicht der parallel laufenden Anwendungen einblenden lässt. Apple-typisch ist das grafisch äußerst ansprechend gelöst: der Bildschirminhalt wird ein Stück nach oben geschoben und macht so Platz für die Symbolleiste der anderen Programme. Durch die lässt sich mit den bekannten Wischgesten scrollen. Tippt man ein Symbol an, wird die entsprechende Anwendung in den Vordergrund gebracht.
Android geht einen sehr ähnlichen Weg. …hoppla… Android beherrscht das ja schon länger. Also. Hält man die Home-Taste gedrückt, erscheint eine Liste der aktuell ausgeführten Programme. Aus dieser kann man bequem diejenige auswählen, zu der man wechseln möchte.
Wechsel zwischen aktiven Anwendungen unter Android
Wechsel zwischen aktiven Anwendungen unter Android
Ich gestehe, dass hier optisch einiges verbessert werden kann. Die eigentliche Bedienung indes halte ich für optimal. Die Zurück-Taste übrigens schließt die Auswahl, ohne zu einer anderen Anwendung zu wechseln. Wie dies unter iPhone OS 4 funktioniert, konnte ich in dem Video leider nicht entdecken.
Lassen Sie mich Ihnen nun zeigen, wie sich unter webOS Multitasking anfühlt – wenn Sie mich fragen, die schönste Implementierung… Deshalb gibt es hier auch zuerst die Bildschirmfotos.
webOS-Startbildschirm mit Schnellstarter
webOS-Startbildschirm mit Schnellstarter
webOS-Kartenansicht
webOS-Kartenansicht
Unter webOS lassen sich Anwendungen von einem Startbildschirm oder dem so genannten Schnellstarter aus aufrufen. Bei letzterem handelt es sich um eine Leiste mit fünf Symbolen, die in der Kartenansicht (dazu gleich mehr) und im Startbildschirm stets am unteren Rand sichtbar ist. Standardmäßig werden die Symbole für Telefon, Kontakte, E-Mail, Kalender und Startbildschirm angezeigt. Die Kartenansicht enthält eine Liste der geöffneten Anwendungen. Diese werden als kleine Karten angezeigt, die bequem durchgeblättert werden kann und deren Reihenfolge sich durch Ziehen ändern lässt.
Welches System hat Ihrer Meinung nach die schönste Darstellung von Multitasking gegenüber dem Anwender? Schreiben Sie mir. Im dritten Teil dieser kleinen Serie werde ich mich dann um die Frage kümmern, was aus der Sicht des Entwicklers an Multitasking geboten wird.

2010-05-13

Mobiles Multitasking

Am 8. April hatte Steve Jobs eine Auswahl von neuen Funktionen des für den Sommer erwarteten iPhone OS 4 vorgestellt. Eine davon ist Multitasking, vereinfacht ausgedrückt also die Fähigkeit, mehrere Programme gleichzeitig auszuführen. Bislang schließen - von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen - iPhone und iPod Touch nämlich das aktuell laufende Programm, wenn der Nutzer zum Home-Bildschirm wechselt. Nun kann man sich natürlich fragen, warum das so schlimm sein soll. Schon im Hinblick auf die im Vergleich zu "richtigen" Computern geringe Anzeigefläche wird niemand ernsthaft mit zwei Anwendungen parallel arbeiten wollen. Insofern wird immer nur die Oberfläche eines Programms zu sehen sein. Warum sollte also das zweite im Hintergrund unbemerkt vor sich hin werkeln und Rechenzeit und damit Strom verbraten? Die Antwort auf diese Frage wird schnell klar, wenn man sich ansieht, was die Benutzer mit Smartphones tun. Musik, Hörbücher oder Podcasts anhören, Bilder und Videos betrachten, Internet-Streaming-Dienste nutzen, E-Mails lesen oder schreiben, surfen, Termine organisieren. Und - gelegentlich - telefonieren. Viele dieser Tätigkeiten lassen sich kombinieren. Und dann braucht das System Multitasking.
Aufgrund der kleinen Bildschirme wird man zwar kaum in einem elektronischen Buch lesen und dabei ein Video betrachten (gut, am PC würde ich das auch nicht ;-)), aber E-Mails bearbeiten und dabei die Musik eines legalen Internet-Streaming-Anbieters hören ginge schon. Multitasking auf Smartphones hat demnach einen anderen Charakter als auf einem stationären Rechner oder einem Notebook. Steht bei letzteren wirklich die Interaktion mit zwei oder mehreren Anwendungen im Vordergrund, geht es auf mobilen Geräten eher um begleitende Tätigkeiten, die vielfach ohne visuelle Rückmeldung ablaufen. Beispielsweise das herunter laden von Dateien, das zyklische Abfragen von Statusinformationen, das kontinuierliche Protokollieren von …was auch immer…
Bleibt die Frage, wie ein System Multitasking technisch zur Verfügung stellt. Oder, ausführlicher formuliert: Wie stellt sich Multitasking gegenüber dem Benutzer dar? Und: Was muss der Programmierer tun und welche Möglichkeiten bietet ihm das Betriebssystem? Beide Fragen möchte ich in jeweils eigenen Beiträgen klären. Ich hoffe, Sie sind gespannt...

2010-05-03

Spannung in der mobilen Welt

Dass HP die webOS-Schmiede Palm übernimmt, wird an vielen Konsumenten unbemerkt vorbei gegangen sein, zumal – so scheint es zumindest – sich der Rest der Welt auf die Ankunft des iPad vorbereitet. Dass aus diesem Zusammenschluss unglaublich viel Innovation für die gesamte mobile Welt entstehen kann, ist dem Endverbraucher sehr wahrscheinlich nicht bewusst. Dabei hat ein Riese wie HP Möglichkeiten, die Palm als eigenständiges Unternehmen sehr wahrscheinlich nie hätte umsetzen können. Und das wäre schade gewesen, denn webOS ist ein außerordentlich innovatives System. Das sieht man zum Beispiel daran, wie Multitasking umgesetzt wird. Ich werde darauf in einem eigenen Beitrag zurück kommen. Die Vorstellung, irgendwann einen Tablett-Computer mit webOS kaufen zu können, finde ich ehrlich gesagt ziemlich inspirierend – und das, gerade weil ich ein absoluter Android-Fan bin. Ich glaube nämlich, dass Konkurrenz für jeden Beteiligten fruchtbar ist. Ein Kopf-an-Kopf-Rennen über einen längeren Zeitraum wird sich für den Anwender aller Systeme nachhaltig positiv auswirken. Insofern drücke ich HP die Daumen, dass sie das neu erworbene webOS erfolgreich im Markt platzieren können.